Wir heißen Sie auf der Homepage des DFG-Netzwerkes Mentalisierungsbasierte Pädagogik (MentEd) herzlich willkommen.

Kurz möchten wir Ihnen einen Überblick über die Grundlagen und das Anliegen des Netzwerkes geben: 

1. Was ist Mentalisierung?

Mentalisierung ist die Fähigkeit, dem eigenen und dem Verhalten anderer einen Sinn zuzuschreiben, indem mentale Zustände unterstellt werden, die dem Verhalten zugrunde liegen (Fonagy et al., 2002). Mentale Zustände sind Emotionen, Wünsche, Überzeugungen und Gedanken. Die Fähigkeit zu Mentalisieren umfasst, wie sehr eine Person eine passende Theorie auf sich und andere anwenden kann, wenn sie sich selbst von außen und andere von innen betrachtet (vgl. Taubner, 2016). Wichtig dabei ist, dass Mentalisierung in einem gegenseitigen, zwischenmenschlichen Prozess mit den Bindungspersonen über verschiedene Stufen ab der frühesten Kindheit bis ungefähr in das sechste Lebensjahr hinein erworben wird. Sie ist eine der entscheidenden Grundlagen des Selbst-Aufbaus und der Affektregulation. Die Fähigkeit zu mentalisieren entsteht darüber, dass man von bedeutsamen anderen mentalisiert wird/wurde. Dies gilt vor allem für Kinder aber auch für Jugendliche und Erwachsene. Bereits der kindliche Aufbau der Mentalisierungsfähigkeit reagiert sensibel auf zwischenmenschliche Belastungen. Aus ihnen resultiert oft eine lebenslange spezifische Störanfälligkeit vor allem auf (Beziehungs-)Stress. Ein zu hohes Maß an Stress hemmt bzw. verunmöglicht das Mentalisieren temporär. Unter dieser Stress-Form ist es Menschen nur noch bedingt möglich, sozialen Handlungen oder innerpsychischen Regungen Sinn zuzuschreiben; diese also verstehen und darüber regulieren zu können.

Die große Bedeutung jenes grundlegenden inter- und intrapsychischen Konzeptes lässt sich so formulieren: „Solange es Menschen gelingt, ihre Umwelt und sich selbst mentalisierend zu interpretieren, fühlen sich diese weder ihrer Umwelt noch sich selbst ausgeliefert.“ (Gingelmaier, 2017)

2. Was ist und will mentalisierungsbasierte Pädagogik?

Mentalisieren in der Pädagogik bedeutet, die sozial-emotionale Entwicklung eines jungen Menschen aus dessen Perspektive zu betrachten, um pädagogische Interaktionen wie Erziehung, aber auch kognitive Lernprozesse über professionelle Haltungen und Interventionen daran auszurichten. Das Verhalten des Kindes bzw. von Gruppen wird über das Verstehen mentaler Zustände und empirisches Entwicklungswissen interpretiert. Diese Reflexionen sind für Pädagoginnen und Pädagogen handlungsleitend. Das bedeutet, dass Mentalisieren letztlich als Form der angemessenen Reaktion innerhalb pädagogischer Interaktion zu verstehen ist.

Es handelt sich um einen vielversprechenden pädagogischen Zugang, der den Fokus auf Emotionen, Verstehen und Beziehung bzw. Bindung legt. Die Mentalisierungstheorie steuert einen grundlegenden Beitrag zu einer zeitgemäßen reflexiven pädagogischen Beziehungstheorie bei. Sowohl für das kognitive Lernen, wie auch die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in pädagogischen Institutionen könnte sie wichtige Erkenntnisse liefern.

3. Was will das Netzwerk?

Das Ziel des DFG-Netzwerkes MentEd ist es, wissenschaftlich fundierte Inhalte zur Bedeutung des Mentalisierungskonzepts für die praktische und theoretische Pädagogik auszuarbeiten. Zu diesem Zweck werden durch das DFG-Netzwerk MentEd sowohl der aktuelle Stand der Forschung wie auch praktische (z.B. fallbezogene) Erfahrungen aus den pädagogischen Feldern aufgegriffen, diskutiert und weiterentwickelt.

Informieren Sie sich auf den Seiten dieser Homepage über die vielfältigen Aktivitäten des DFG-Netzwerkes MentEd.